Mitarbeiterin weint am Ende des Jahresgesprächs – ich habe mein Ziel erreicht.

Es sind diese Momente – genau diese Momente – für die ich jeden Morgen gerne aufstehe.

Immer wieder höre ich bewegende Geschichten, die meine Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer erleben. Jetzt war es wieder einmal soweit.

Ein Seminarteilnehmer ruft mich an – ich spüre schon die Emotionalität, er klingt aufgewühlt.

Er erzählt, er habe gestern ein Mitarbeiterjahresgespräch mit einer Mitarbeiterin gehabt, und sei immer noch sehr berührt vom Ende des Gesprächs, an dem die Mitarbeiterin schließlich in Tränen ausbrach. Das hatte ihn schockiert, da – aus seiner Sicht – es ein guter Dialog gewesen war.

Was war also passiert?

Auf seine an sie dann gerichtete Frage, warum sie weine, antwortete sie:

„Ich weine vor Erleichterung.“

Er fragt: „Warum das? Nach meinem persönlichen Empfinden war das jetzt ein klasse Gespräch?!“

Woraufhin sie erwidert: „Ja, genau, das war es auch. Und ja, ich weine vor Erleichterung. Denn ich habe hier eineinhalb Stunden gesessen und auf einen Vorwurf von Dir gewartet. Es kam aber keiner. Ich danke Dir sehr dafür.“

Wissen Sie, diese ganzen Studien, die wir immer alle lesen: Im jährlich wiederkehrenden Turnus Gallup Engagement Index mit diesen Prozentzahlen, oder Studien von Kienbaum, BCG… Das sind Zahlen. Auch wenn diese uns dann kurzzeitig berühren oder irgendwie ansprechen, wir dann besorgt reagieren und denken „Meine Güte… das könnte ja wirklich besser sein mit der emotionalen Bindung von Mitarbeitern ans Unternehmen…“.

Diese Zahlen werfen Fragen auf: Wie viele Menschen da draußen wohl nach einem Mitarbeitergespräch weinen? Und womöglich nicht vor Erleichterung. Womöglich zu Haus in einem geschützten Rahmen. Womöglich vor Frust…..

Und wir bekommen das nicht mit: die Führungskräfte nicht, die Personalentwickler nicht, der Trainer nicht – denn das findet nicht in der Firma und meist nicht vor den Augen der Führungskraft statt.

Mich motivieren Erfahrungen wie diese, da sie mir zeigen: Meine Arbeit hat einen Sinn und meine Arbeit hat Effekte, die für Menschen konkret spürbar werden in ihrem Arbeitsalltag.

Für jeden einzelnen Moment dieser Art stehe ich jeden Morgen motiviert auf und freue mich auf meine Arbeit mit Führungskräften und Teams – um Erwartungen zu klären, Konflikte zu lösen und einfach für ein besseres Miteinander im Betrieb zu sorgen.

Ein Mitarbeiter spricht seine Führungskraft auf ein Problem an – er ist überfordert: “Ich habe zu viel auf dem Tisch derzeit, wir müssen da was verändern bitte.” Die Führungskraft sagt: “Ach, stellen Sie sich mal nicht so an. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Mit ein bisschen mehr Selbstorganisation schaffen Sie das schon.”

Das ist seitens der Führungskraft aufmunternd, vielleicht sogar als “liebevoller Schulterklopfer” gemeint. Jedoch entstehen aus der Sicht der Mitarbeiter so oft Situationen, in denen Bedürfnisse nach Empathie und Mitgefühl – und vor allen Dingen nach spürbarer Veränderung ihrer Situation, in der sie Leistung für den Betrieb erbringen möchten und diesbezüglich um Hilfe bitten – nicht erfüllt werden.

Dieser Frust und Ärger geht zu Lasten der Produktivität, verhindert Innovationen und führt auf Dauer dazu, dass Mitarbeiter für die Führungskraft wichtiges Feedback nicht mehr spiegeln und einfach “die Klappe halten”. Da hilft auch keine New Work Arbeitsumgebung. Menschen melden sich krank oder bewerben sich weg – mit hohen Folgekosten für den Arbeitgeber.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme und erfolgreiche Woche und grüße Sie herzlich vom Rhein aus Köln

Ihr Matthias Herzberg

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